– Vorträge –

 

„Siegfrieds Reise durch die Zeit“

Vortrag von Herrn Prof. Dr. E. Grunewald

Dienstag, den 07. November 2017

 

Vortrag –

19:30 Uhr

Kriemhildsaal

Eintritt frei

keine Anmeldung erforderlich

Eingang über den Ziegelhof

Weg des Nibelungenliedes vom vergessenen Heldengedicht zum verdränten Nationalepos

Im Rahmen der Partnerschaft zwischen der Universität Duisburg -Essen, der kath. Propsteigemeinde St. Viktor Xanten sowie  dem StiftsArchiv Xanten, dem Verein zur Erhaltung des Xantener Doms e.V. und der Stadt Xanten findet in diesem Jahr der dritte Vortrag, der sich traditionsgemäß mit den Nibelungen befasst,  zum ersten Mal im SiegfriedMuseum Xanten statt. Zu dieser Premiere wird Herr Prof. Dr. E. Grunewald aus Hilden über den „Weg des Nibelungenliedes vom vergessenen Heldengedicht zum verdrängten Nationalepos“ unter dem Titel „Siegfrieds Reise durch die Zeit“ referieren.

Das um 1200 entstandene Nibelungenlied gehört zu den Problemkindern der deutschen Literatur. Es erfreute sich bis zu seinem 300. Lebensjahr höchster Beliebtheit beim Publikum, geriet dann für zweieinhalb Jahrhunderte in völlige Vergessenheit und wurde um die Mitte des 18. Jahrhunderts wiederentdeckt und in mehreren Anläufen reanimiert. Als „teutsche Ilias“ avancierte das Lied im frühen 19. Jahrhundert zum Nationalepos, hielt sich jahrzehntelang als Schullektüre, bevor es – in der ersten Hälfte 20. Jahrhunderts politisch missbraucht – ins literarische Abseits geriet.

Der Vortrag zeichnet die wechselvolle Geschichte des Liedes nach und sucht dem Text – jenseits seiner unverschuldeten rezeptionsgeschichtlichen Altlasten – als mittelalterlichem Kunstwerk von Rang Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Es geht dabei nicht um eine Ehrenrettung um jeden Preis: Neben den unbestreitbaren künstlerischen Qualitäten sollen die nicht zu leugnenden poetischen Defizite des Textes keineswegs verschwiegen werden. So versteht sich der Vortrag als Einladung zu einer unbefangenen, neuen Begegnung mit dem alten Nibelungenlied, damit es nicht zu den Texten gezählt werden muss, die „oft erhoben und genannt, aber wenig gelesen und wenig bekannt“ (Lessing) sind.    Text: Prof. Dr. E. Grunewald